„Nutztiere“

„Nutztiere“ – wenn denkende und fühlende Lebewesen zu Sachen werden
Sie fühlen Schmerz und Angst, Freude und Neugier – genau wie wir. Und doch behandeln wir Milliarden von ihnen wie Dinge.
Warum schreiben wir „Nutztiere“ in Anführungszeichen? Weil kein Tier auf die Welt kommt, um von uns benutzt zu werden. Ein Schwein ist kein Schnitzel auf vier Beinen, eine Kuh keine Milchmaschine, ein Nerz kein Mantel und ein Delfin kein Showtalent.
Jedes von ihnen spürt Hunger und Durst, Angst und Schmerz, Erleichterung und Geborgenheit. Jedes sucht Sicherheit, will sich bewegen, die Sonne spüren, in der Erde scharren, Wasser durchschwimmen, bei seinesgleichen sein. Mütter rufen nach ihren Kindern, Freunde suchen einander. Kein Tier wird als „Ware“ geboren, und aus eigener Sicht ist keines dieser Tiere ein „Nutztier“. Das Wort „Nutztier“ beschreibt nicht, was diese Tiere sind, sondern nur, was wir Menschen aus ihnen machen. Und was machen wir nicht Alles aus ihnen …
Auf dieser Seite geht es deshalb nicht nur um die Tiere, die auf unseren Tellern landen, sondern um alle Tiere, die für menschliche Zwecke gezüchtet, gehalten, eingesperrt, ausgebeutet und getötet werden: für Nahrung, für Kleidung, für Unterhaltung, für Versuche und vieles mehr.
Auf welche Arten und Weisen nutzt der Mensch Tiere (aus)?
Auswahl nach Tierart
Rinder
Milch, Fleisch, Leder – und ein Kalb, das nach seiner Mutter ruft.
Mehr erfahrenSchweine
Klug, sozial, verspielt – und meist nach sechs Monaten tot.
Mehr erfahrenHühner
Legehennen und Masthühner – zwei Zuchtlinien, ein Leid.
Mehr erfahrenSonstige Vögel
Puten, Enten, Gänse, Wachteln, Tauben …
Mehr erfahrenSonstige Säugetiere
Schafe, Ziegen, Pferde, Kaninchen, Pelztiere …
Mehr erfahrenFische & Meerestiere
Die Vergessenen – gezählt in Tonnen statt Leben.
Mehr erfahrenAmphibien & Reptilien
Froschschenkel, Krokodilleder, Terrarienhandel …
Mehr erfahrenInsekten
Bienen, Seidenraupen, Cochenille-Läuse …
Mehr erfahrenAuswahl nach Nutzungsart
Tiere als Nahrungsmittel
Fleisch, Milch, Eier, Fisch, Honig
Mehr erfahrenTiere als Kleidung
Leder, Wolle, Pelz, Daunen, Seide
Mehr erfahrenTiere in Versuchen
Medizin, Chemikalien, Grundlagenforschung
Mehr erfahrenTiere im Zirkus
Dressur statt Freiheit
Mehr erfahrenTiere in Zoos & Aquarien
Lebenslang hinter Gittern und Glas
Mehr erfahrenTiere in Delfinarien
Betonbecken statt Ozean
Mehr erfahrenTiere für Jagd, Sport & Freizeit
Jagd, Angeln, Pferderennen, Reiten, Rodeo
Mehr erfahrenTiere für Arbeit & Tourismus
Kutschpferde, Elefantenreiten, Tiershows im Urlaub
Mehr erfahrenErst wir Menschen haben Tiere in Gruppen eingeteilt, und das völlig willkürlich: Die einen nehmen wir auf den Schoß, geben ihnen Namen, kümmern uns um sie, trauern um sie. Den anderen verweigern wir selbst die grundlegendsten Rechte: Wir sperren sie ein, nehmen ihnen ihre Kinder und töten sie – je nach Tier – bereits nach wenigen Stunden, Tagen, Wochen oder Monaten. Selbst die eigens für den Verzehr gemästeten Tiere töten wir nach einem Bruchteil ihrer natürlichen Lebensspanne … wir essen fast ausschließlich Tierkinder! Ein Masthuhn wird im Alter von etwa 42 Tagen geschlachtet, ein Mastschwein nach rund sechs Monaten – dabei können Hühner etwa zehn Jahre, Schweine 15 Jahre und älter werden. Sie sterben nach einem kurzen Leben, das nie ihr eigenes sein durfte und das man kaum als solches bezeichnen kann. Viele dieser bemitleidenswerten Geschöpfe erblicken das Licht der Sonne zum ersten und einzigen Mal auf dem Weg zum Schlachthof. Dabei besteht der Unterschied zwischen dem Hund auf dem Sofa und dem Schwein im Stall einzig und allein in den Rollen, die wir ihnen willkürlich zugewiesen haben.
Die Vergessenen unter Wasser
Und dann sind da die Tiere, an die wir am allerwenigsten denken: die Fische und viele andere Meeresbewohner. Sie schreien nicht, wir können ihre Mimik nicht lesen, und sie leben in einer Welt, die uns fremd ist. Deshalb zählen sie in unseren Köpfen noch weniger als die Tiere an Land. Aber auch Fische empfinden Schmerz und Stress, sie erkennen einander, lernen, merken sich Wege und knüpfen soziale Bindungen. Oktopusse zum Beispiel sind erstaunlich intelligent: Sie lernen schnell, lösen knifflige Aufgaben und erkunden ihre Umgebung voller Neugier – und doch werden sie bedenkenlos gefangen, getötet und zu Tintenfischringen verarbeitet. Hummer werden häufig sogar lebendig gekocht. Die meisten Meeresbewohner werden nicht als Individuen gesehen, nicht einmal einzeln gezählt, sondern tonnenweise gewogen. Sie werden zu Hunderttausenden an Bord von Schiffen gehievt, in Netzen zerquetscht oder bei vollem Bewusstsein ausgenommen. Auch in Zuchtanlagen leben sie zu Tausenden auf engstem Raum. Ihr Leiden ist nicht kleiner, nur leiser. Und weil es so leise ist, geschieht es in einem Ausmaß, das jede Vorstellungskraft sprengt.
Wer ist das Tier hinter dem Produkt?
Fleisch, Milch, Eier und Fisch begegnen uns sauber verpackt im Kühlregal – mit friedlichen Bildern von glücklichen Kühen, tanzenden Schweinen und freilaufenden Hühnern auf grünen Wiesen oder lachenden Cartoon-Fischen in blauem Meerwasser. Das Tier, dessen Körper oder Lebensleistung tatsächlich dahintersteht, sehen wir nicht. Wir hören nicht, wie die Kuh nach ihrem Kalb ruft, das ihr kurz nach der Geburt weggenommen wurde. Wir sehen nicht die Enge, die Dunkelheit, die Todesangst auf dem Weg zum Schlachthof. Dabei hat jedes Rind, jedes Schwein, jedes Huhn, jeder Fisch ein eigenes Leben – mit Vorlieben, Gewohnheiten, Freundschaften und einem unbedingten Willen zu leben.
Stell Dir einmal nicht die Frage, was ein Tier für Dich leisten kann. Frag Dich lieber, was es selbst braucht. Wie würde es leben, wenn es frei wählen könnte? Was würde es sich wünschen, wenn es sprechen könnte? Wir müssen seine Sprache nicht verstehen, um zu erkennen, dass es leben will und dass es leidet – und dass es sein Leben nicht, wie es die Werbung gern darstellt, freiwillig für uns hergibt. Frag Dich, was Dein Hund, was Deine Katze, was Du selbst Dir an seiner Stelle wünschen würdest.
Wir haben uns diese Frage irgendwann gestellt – und sie hat unser Leben verändert. Vielleicht magst auch Du sie Dir einmal in Ruhe stellen. Nicht, weil jemand es von Dir verlangt, sondern weil Du spürst, dass sie wichtig ist. Und vielleicht findest Du darauf eine Antwort, die sich ehrlich, fair und menschlich anfühlt – auch und gerade den Schwächsten gegenüber.
Mitgefühl, das Kreise zieht
Die meisten Menschen lieben Tiere – wahrscheinlich auch Du. Sie möchten nicht, dass ein Tier leidet, und würden keinem etwas zuleide tun. Sie können sich keine Videos von leidenden Tieren ansehen – und doch gehören tierische Produkte für sie ganz selbstverständlich zum Alltag. Sie bremsen scharf, um die Entenfamilie nicht zu überfahren, die vor ihnen über die Straße watschelt, und bestellen kurz darauf „Knusprige Ente Szechuan-Art“ beim Lieblingsrestaurant. Sie empören sich darüber, dass anderswo auf der Welt Hunde gegessen werden – und legen selbst wenige Wochen alte Ferkel, also Schweinebabys, auf den Grill. Dieser Widerspruch macht niemanden zu einem schlechten Menschen. Er zeigt nur, wie früh wir geprägt – geradezu konditioniert – wurden und gelernt haben, manche Tiere als Freunde und andere als Lebensmittel zu sehen – lange bevor wir selbst darüber nachdenken konnten.
Doch heute, als Erwachsene, können wir es. Wir wissen mehr als jede Generation vor uns – und anders als die Tiere haben wir eine Wahl. Allein in Deutschland werden jeden Tag rund zwei Millionen Tiere geschlachtet, die Fische nicht mitgezählt. Das klingt überwältigend. Und doch liegt in jeder einzelnen Mahlzeit, jedem Einkauf und jeder Entscheidung eine kleine Möglichkeit, daran etwas zu ändern.
Alles hängt zusammen
Dabei geht es längst nicht „nur“ um die Tiere. Was auf unseren Tellern landet, entscheidet mit darüber, wie viel Regenwald gerodet wird, wie viel Wasser verbraucht und verschmutzt wird, wie schnell sich unser Klima erwärmt, wie viele Arten für immer verschwinden – und wie viel Getreide in Futtertrögen landet statt auf den Tellern hungernder Menschen. Die Massentierhaltung begünstigt gefährliche Antibiotika-Resistenzen und den Sprung von Krankheitserregern vom Tier auf den Menschen. Und ein hoher Verzehr von Fleisch und Wurst wird mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und manchen Krebsarten in Verbindung gebracht.
Das Leid der Tiere, die Sorgen der Menschen und die Zerstörung unserer Mitwelt sind keine getrennten Probleme – sie haben vielfach dieselbe Wurzel. Und deshalb gibt es auch eine Lösung, die gleich an vielen Stellen auf einmal hilft. Mehr darüber erfährst Du in unseren Themenbereichen Mensch und Mitwelt.
„Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.“
– Mahatma Gandhi zugeschrieben
Doris träumte von einer besseren, friedlicheren und gewaltfreien Welt – von einer Welt, in der kein Tier mehr für unsere Zwecke gezüchtet, ausgebeutet und getötet wird. Genau davon träumen auch wir. Und wir träumen nicht nur: Wir arbeiten zielstrebig darauf hin, und wir werden erst ruhen, wenn dieser Traum Wirklichkeit geworden ist. Etwas größere Käfige oder eine „bessere“ Haltung allein können dieses Ziel nicht sein, denn auch ein schöneres Gefängnis bleibt ein Gefängnis, und am Ende steht immer noch der Tod. Diese Welt ist näher, als viele denken: Eine pflanzliche Ernährung ist heute für die allermeisten Menschen eine gesunde, vielfältige und genussvolle Möglichkeit – und für fast alles andere gibt es längst tierfreundliche Alternativen.
“Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für die Welt” – mache (D)einen Unterschied!
Vielleicht denkst Du jetzt: „Was kann ich allein schon ausrichten?“ Mehr, als Du glaubst! Jeder Einkauf ist wie ein kleiner Stimmzettel: Was nicht mehr gekauft wird, wird nicht mehr hergestellt – und dafür muss dann auch kein Tier mehr gezüchtet, gemästet und getötet werden. Wir können nicht darauf warten, dass Politik oder Wirtschaft uns diese Entscheidung abnehmen. Die wichtigste Wahl treffen wir jeden Tag selbst: im Supermarkt, im Restaurant, im Kleiderladen – mit Messer und Gabel.
Niemand kann die Welt allein retten. Aber jeder Mensch kann bei sich selbst anfangen – und jeder Mensch, der das tut, ermutigt andere, es ihm gleichzutun. So entsteht aus vielen einzelnen Entscheidungen eine Bewegung, die die Welt tatsächlich verändert.
„Du kannst keinen einzigen Tag verbringen, ohne die Welt um Dich herum zu beeinflussen. Was Du tust, macht einen Unterschied – und Du musst entscheiden, welchen Unterschied Du machen willst.“
– Dr. Jane Goodall
Deshalb möchten wir Dich von Herzen bitten: Schau einmal hin – vielleicht gerade dort, wo Du bislang lieber weggeschaut hast. Lass Dich berühren. Sprich darüber, mit Deiner Familie, Deinen Freunden, im Kollegenkreis. Und probiere es einfach aus: eine Mahlzeit, einen Tag, eine Woche, einen Monat. Jeder Schritt zählt, und jeder Schritt erspart Tieren Leid. Du tust es damit nicht nur für die Tiere, sondern auch für Dich selbst, für Deine Gesundheit, für nachfolgende Generationen, für die Umwelt und für das Klima.
Wir begleiten Dich gern auf diesem Weg – mit Informationen, Gesprächen und praktischen Anregungen für den Alltag. Schau doch einmal bei Was kannst Du tun? vorbei.