Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, wird jede Entzündung wieder lebensgefährlich.

Antibiotika gehören zu den größten Errungenschaften der Medizin. Doch sie verlieren ihre Wirkung – weil Bakterien Resistenzen entwickeln. Ein wichtiger Treiber dafür ist die Tierhaltung: Weltweit werden schätzungsweise rund drei Viertel aller Antibiotika bei Tieren eingesetzt, die für unsere Ernährung gehalten werden.

73 %aller Antibiotika weltweit werden bei Tieren in der Lebensmittelproduktion eingesetzt
über 1 Mio.Menschen sterben weltweit jedes Jahr direkt an resistenten Keimen
2050könnten Resistenzen mehr Menschen töten als Krebs, warnen Fachleute

Das Problem

Wo viele Tiere auf engem Raum leben, breiten sich Krankheiten schnell aus. Statt die Haltungsbedingungen zu verbessern, werden häufig ganze Tiergruppen über Futter oder Trinkwasser mit Antibiotika behandelt – auch die gesunden Tiere. Jedes Mal überleben dabei einzelne Bakterien, die gegen das Mittel unempfindlich sind, und vermehren sich weiter. So entstehen multiresistente Keime wie MRSA oder ESBL-bildende Bakterien.

Besonders bedenklich ist der Einsatz sogenannter Reserveantibiotika in der Tierhaltung – Mittel, die in der Humanmedizin als letzte Rettung gelten, wenn nichts anderes mehr hilft.

Vom Stall zum Menschen

Resistente Keime gelangen auf vielen Wegen zu uns: über Fleisch, das wir zubereiten und essen, über Gülle auf Feldern, über Grund- und Oberflächenwasser, über die Abluft von Ställen und über Menschen, die in der Tierhaltung arbeiten. Untersuchungen finden resistente Keime regelmäßig auf Fleisch aus dem Supermarkt. Erkranken Menschen an solchen Keimen, wirken die üblichen Medikamente nicht mehr – aus einer harmlosen Infektion kann eine lebensgefährliche werden.

Was kannst Du tun?

  • Verzichte auf Fleisch und andere Tierprodukte – damit entziehst Du dem massenhaften Antibiotikaeinsatz die Grundlage.
  • Achte in der Küche auf Hygiene, falls in Deinem Haushalt noch rohes Fleisch zubereitet wird.
  • Nimm Antibiotika selbst nur, wenn sie ärztlich verordnet sind – und dann genau nach Anweisung.

Damit Medizin wirksam bleibt

Jedes Tier weniger in der Massenhaltung ist ein Schritt gegen gefährliche Resistenzen. Wichtig: Wer vegan lebt, muss Vitamin B12 ergänzen – mehr dazu unter Risiken.

Jetzt vegan werden

Quellen

  • Van Boeckel, T. P. u. a. (2019): Global trends in antimicrobial resistance in animals in low- and middle-income countries. Science 365, eaaw1944.
  • Antimicrobial Resistance Collaborators (2022): Global burden of bacterial antimicrobial resistance in 2019. The Lancet 399, 629–655.
  • Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Abgabemengen von Antibiotika in der Tiermedizin. bvl.bund.de