Sechs Wochen Leben – für ein Hähnchen, das zu schnell wächst, um laufen zu können.

Hühner sind weit klüger, als ihr Ruf es vermuten lässt. Sie können zählen, erkennen Dutzende Artgenossen wieder, verständigen sich mit über zwanzig verschiedenen Rufen und kümmern sich liebevoll um ihre Küken. Ein Huhn kann acht bis zehn Jahre alt werden. Doch kaum ein Tier wird von uns in so großer Zahl und so kurzer Zeit „verbraucht“ wie das Huhn.

640 Mio.Masthühner wurden 2025 allein in Deutschland geschlachtet
42 Tagealt ist ein Masthuhn bei der Schlachtung – ein Küken
20,7 Mio.„ausgediente“ Legehennen kamen 2025 als „Suppenhühner“ in den Schlachthof

Masthühner: Babys im Schlachthof

Masthühner sind auf extremes Wachstum gezüchtet. In nur fünf bis sechs Wochen erreichen sie ihr Schlachtgewicht – ihr Körper wächst so schnell, dass Herz, Lunge und Beine nicht mithalten. Viele Tiere können sich gegen Ende der Mast kaum noch auf den Beinen halten, liegen in ihrem eigenen Kot und leiden unter schmerzhaften Entzündungen an Füßen und Brust.

Zehntausende von ihnen leben zusammen in einer einzigen Halle, ohne Tageslicht und ohne Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Am 42. Tag – wenn ihr Leben eigentlich gerade erst begonnen hat – werden sie eingefangen, in Kisten gestopft und zum Schlachthof gefahren. Wir essen Tierkinder.

Legehennen: ausgezehrt nach einem Jahr

Die wilde Vorfahrin unserer Haushühner, das Bankivahuhn, legt etwa zehn bis fünfzehn Eier im Jahr. Eine heutige Legehenne legt rund 300. Für jedes Ei entzieht ihr Körper sich selbst Kalzium – viele Hennen leiden an brüchigen Knochen, Eileiterentzündungen und kahlen, wunden Stellen im Gefieder.

Nach etwa anderthalb Jahren lässt die Legeleistung nach. Dann gilt die Henne als „verbraucht“ und wird als „Suppenhuhn“ geschlachtet – egal ob sie aus Käfig-, Boden-, Freiland- oder Biohaltung stammt. Allein 2025 waren das in Deutschland über 20 Millionen Tiere.

Die Brüder

Hähne legen keine Eier, und für die Mast sind Legerassen zu langsam. Früher wurden die männlichen Küken deshalb gleich nach dem Schlüpfen getötet – in Deutschland allein rund 45 Millionen pro Jahr. Seit 2022 ist das hierzulande verboten. Heute wird das Geschlecht teils schon im Ei bestimmt, oder die „Bruderhähne“ werden für wenige Wochen gemästet und dann geschlachtet – nicht selten im Ausland. Am Grundproblem ändert das nichts: Jedes Ei hat seinen Preis, und den zahlen die Tiere.

Was kannst Du tun?

Hühnerfleisch gilt vielen als „leichte“ Alternative zu Rind und Schwein. Doch gemessen an der Zahl der Tiere ist es das Gegenteil: Für die gleiche Menge Fleisch sterben ungleich mehr Hühner als Rinder. Und auch hinter jedem Ei – ob bio oder nicht – steht eine ausgezehrte Henne und ein Bruder, der nicht leben durfte.

  • Statt Hähnchen: Tofu, Seitan, Soja-Schnetzel oder pflanzliche „Chicken Nuggets“ – würzig mariniert unterscheidet sie kaum jemand vom Original.
  • Statt Ei beim Backen: Apfelmus, zerdrückte Banane, Leinsamen oder Sojamehl.
  • Statt Rührei: zerbröselter Tofu mit Kurkuma und einer Prise Kala Namak (Schwefelsalz) – der Eigeschmack ist verblüffend.

Wie viele Tiere sollen ab jetzt noch für Dich sterben?

Du hast es in der Hand – heute, beim nächsten Einkauf. Entscheide Dich für ein Leben ohne Tierleid. Wichtig: Wer vegan lebt, muss Vitamin B12 ergänzen – mehr dazu unter Risiken.

Jetzt vegan werden

Quellen

  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung Nr. 049 vom 13. Februar 2026 – Fleischproduktion im Jahr 2025. destatis.de
  • Tierschutzgesetz (TierSchG), § 4c – Verbot des Tötens von Hühnerküken. gesetze-im-internet.de