Die Vergessenen: gezählt in Tonnen statt in Leben.

Fische schreien nicht, sie haben kein Fell, das wir streicheln möchten, und ihr Gesicht verrät uns kaum etwas. Vielleicht fällt es uns deshalb so leicht, ihr Leid zu übersehen. Doch die Forschung ist eindeutig: Fische empfinden Schmerz und Angst, sie lernen, erinnern sich und leben in komplexen Gemeinschaften. Und sie sind die mit Abstand größte Gruppe der Tiere, die von uns getötet wird.

1–3 BillionenFische werden schätzungsweise jedes Jahr weltweit gefangen und getötet
77–124 Mrd.Zuchtfische kommen zusätzlich jedes Jahr aus Aquakulturen (Schätzung)
über ein Drittelder weltweiten Fischbestände gilt als überfischt

Wildfang: leere Meere

Riesige Fangschiffe ziehen kilometerlange Netze durch die Meere oder schleifen Grundschleppnetze über den Meeresboden und zerstören dabei ganze Lebensräume. Die gefangenen Fische ersticken an Deck oder werden zerquetscht, viele sind noch lebendig, wenn sie ausgenommen werden. Eine Betäubung ist beim Wildfang nicht vorgeschrieben.

Mit jedem Netz landen auch Tiere an Bord, die niemand fangen wollte: Delfine, Schildkröten, Haie, Seevögel und Jungfische. Dieser „Beifang“ wird meist tot oder sterbend wieder über Bord geworfen. Und ein großer Teil des Fangs wird gar nicht von Menschen gegessen, sondern zu Fischmehl verarbeitet – als Futter für Zuchtfische, Schweine und Hühner. → Meeresverschmutzung

Aquakultur: Massentierhaltung unter Wasser

Inzwischen stammt rund die Hälfte des weltweit verzehrten Fisches aus Zuchtanlagen. Was nach einer Lösung für leere Meere klingt, ist in Wahrheit Massentierhaltung unter Wasser: Lachse etwa schwimmen zu Zehntausenden in Netzgehegen, geplagt von Parasiten wie der Lachslaus, behandelt mit Chemikalien und Medikamenten. Ein Fisch, der in der Natur Tausende Kilometer wandern würde, zieht sein Leben lang enge Kreise.

Garnelen, Krebse und Hummer

Auch Krebstiere sind empfindungsfähig – das hat sogar die britische Regierung 2021 offiziell anerkannt. Trotzdem werden Hummer und Krabben bis heute oft lebendig gekocht. Für Zuchtgarnelen wurden in Südostasien und Lateinamerika riesige Mangrovenwälder zerstört, die als Kinderstube unzähliger Meerestiere und als Küstenschutz unersetzlich sind.

Was kannst Du tun?

„Nachhaltiger Fisch“ ist für die Fische selbst ein schwacher Trost – getötet werden sie trotzdem. Die gesunden Omega-3-Fettsäuren, für die Fisch so gelobt wird, stammen übrigens ursprünglich aus Algen. Du bekommst sie direkt aus Leinöl, Walnüssen, Hanfsamen oder Algenöl – ohne Umweg über den Fisch und ohne Schwermetalle.

  • Probiere pflanzliche Fischalternativen: „Thunfisch“ aus Soja, „Lachs“ aus Karotten oder Konjak, Fischstäbchen aus Tofu.
  • Würze mit Algen (Nori, Wakame) – sie bringen den typischen Meeresgeschmack.
  • Greife zu Algenöl-Kapseln, wenn Du Deine Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren absichern möchtest.

Wie viele Tiere sollen ab jetzt noch für Dich sterben?

Du hast es in der Hand – heute, beim nächsten Einkauf. Entscheide Dich für ein Leben ohne Tierleid. Wichtig: Wer vegan lebt, muss Vitamin B12 ergänzen – mehr dazu unter Risiken.

Jetzt vegan werden

Quellen

  • Our World in Data: How many animals get slaughtered every day? (Schätzungen zu Zuchtfischen). ourworldindata.org
  • fishcount.org.uk: Schätzungen zur Zahl gefangener Wildfische.
  • FAO: The State of World Fisheries and Aquaculture (SOFIA) 2024. fao.org
  • Sneddon, L. U. u. a.: Forschung zur Schmerzwahrnehmung bei Fischen.